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Sikhismus in Indien

 

Allgemeines

1,9% der indischen Bevölkerung (ca. 22,8 Mio.) bekennen sich zu der Religion der Sikh. Weltweit sind es ca. 20 Millionen Menschen, die sich zugehörig fühlen.
In Indien sind die Sikhs überwiegend im Bundesstaat Punjab angesiedelt. Während des Freiheitskampfes gegen die Engländer wurden sehr viele Sikhs hingerichtet. Auch aufgrund der Verfolgungen (1919 Amritsar Massaker) und Pogrome (z.B. 1984 in Delhi) verließen viele das Land und verbreiteten dadurch den Sikhismus in der Welt.

Vor circa 500 Jahren wurde die Religion der Sikhs im Punjab in Indien durch Guru Nanak Dev Ji gegründet. Guru Nanak, der in einer muslimisch und hinduistisch beherrschten Zeit aufwuchs, fühlte sich zu keiner der bestehenden Religionen hingezogen. Er bezeichnete sich als Diener und Schüler der Schöpfung.
Guru Nanak (1469-1539) kritisierte bereits als Junge Aberglauben, religiösen Fanatismus, Egoismus und Diskriminierung. Er hinterfragte die zu dieser Zeit bestehenden religiösen Dogmen, wie z.B. das Kastensystem der Hindu und die Unterdrückung der Frau.

Die Heilige Schrift der Sikhs, der „Adi Guru Granth Sahib“, wurde vom 5. Guru, Gur Arjan Dev, in den Jahren 1601 bis 1604 erstellt.
Die Religion der Sikh ist monotheistisch. Die Gläubigen glauben an einen allmächtigen Gott, der Schöpfer, vollkommen und ohne Feindschaft ist.
Er ist der Gott der Gnade. Er hat den Menschen geschaffen, damit der Mensch seine wahre Stellung im Kosmos erkennt und sich mit dem Kosmos vereinigt.
Der Sikhismus lehnt das Kastenwesen und den Aberglauben ab.

 

Philosophie

Der Sikhismus ist voller Optimismus und Hoffnung. Man lebt, um der Menschheit zu dienen, um Toleranz und Brüderlichkeit zu fördern. Selbstbeherrschung und Mäßigung und ein würdevolles Leben sind die Zeile der Sikh.

 

Symbole

Die Charaktereigenschaften der Sikhs werden durch 5 identitätsstiftende Symbole dargestellt. Im Volksmund als die 5 K‘s bezeichnet.

  • Kesha (langes, ungeschnittenes Haar) = Natürlichkeit und Respekt vor der Schöpfung
  • Kangha (Kamm)
  • Kara (eisernes Armband)
  • Kachcha (kurze Hose)
  • Kirpan (Schwert)

 

Die Stellung der Frau in der Sikh-Gesellschaft

Die Frau und der Mann haben die gleiche Seele und die Frau hat die gleichen (An-)Rechte auf ein und beim spirituellen Wachstum.
Sie darf bei den religiösen Zusammenkünften dabei sein und auch die heiligen Hymnen rezitieren.
Die Frauen tragen keine Schleier (Purdah). Allerdings wird das Tragen von Bekleidung, die den Körper zeigt als unehrenhaft betrachtet. Mitgift und Scheidung sind nicht erlaubt. Ehebruch ist nicht erlaubt. Die Sikh-Frau muss den Mann einer anderen Frau als ihren Bruder oder Vater ansehen. Eine Witwe hat das Recht wieder zu heiraten. Die Geburt einer Tochter wird nicht als Unglück angesehen. Die Eheschließung ist ein Sakrament, eine heilige Union und nicht einfach ein Vertrag.

 

Die wichtigsten Zeremonien der Sikhs

Die wichtigste Zeremonie ist die Taufe (Amrit).
Daneben hat die Hochzeit (Anand Karaj), die als heilige Union angesehen wird, und die Todeszeremonie eine besondere Bedeutung. Die Toten werden verbrannt und die Asche in den nächsten Fluss oder das nächste Gewässer geworfen. Kein Fluss wird als heilig angesehen, der Bau von Denkmälern über die Reste der Toten ist verboten.
Bei allen Zeremonien gibt es keine besonderen Rituale. Das Wichtigste ist das Rezitieren von Hymnen aus dem Guru Granth Sahib.

 

Religiöse Feste

  • Die Geburtstage der Zehn Gurus, deren Einweihung als Guru und deren Seelenabgang
  • Geburtstag der Sikh-Gemeinschaft (Khalsa), die jedes am 13. April gefeiert wird; Im Jahre 1699 gründete Gobind Singh, der zehnte und letzte Meister, die Gemeinschaft Khalsa.
  • Die Tage, an denen prominente Sikhs, die für ihren Glauben starben, zu Märtyrern ernannt wurden.
  • Die Tage, die mit wichtigen geschichtlichen Ereignissen zusammen hängen.

 

Der Sikh-Tempel (Gurdwara genannt)

​ Die zwei wichtigsten Merkmale des Gurdwaras sind Sangat (Kongregation) und Pangat (Gemeinschaftsküche). Diese Küche bietet allen Besuchern kostenloses Essen an. Hier essen alle gemeinsam, dadurch ist es ein Symbol für Gleichheit und Brüderlichkeit.
In jedem Gurdwara befindet sich in der Haupthalle, in der täglich gebetet wird, die Heilige Schrift. Jeder Mensch darf den Gurdwara besuchen – unabhängig von seinem Stand oder Glauben, seiner Kultur oder Nationalität. Bevor man eintritt, müssen aber die Schuhe ausgezogen und der Kopf bedeckt werden.

Auf dem Dach jedes Gurdwara weht die gelbe Fahne Nisha Sahib, auf der ein Khanda, ein doppelschneidiges Schwert, dargestellt wird.
Der oberste Gurdwara, Akal Takhat Sahib befindet sich in Amritsar. Der Tempel ist mit Blattgold belegt und liegt auf einer Insel in einem See. Umgeben ist der Tempel von einer Palastanlage. Diese hat je ein Tor auf allen vier Seiten, was die Offenheit der Sikhs gegenüber allen Menschen und Religionen symbolisiert. Im Tempel selbst werden während des Tages Verse aus dem Adi Guru Granth Sahib rezitiert. Diese Sprechgesänge werden musikalisch von Trommeln und Sita untermalt und sind über Lautsprecher in der ganzen Tempelanlage zu hören. Durch die gedämpfte, leicht monotone Vortragsweise wird eine ruhige, meditative Stimmung erzeugt.
Der Tempel ist immer geöffnet und wird täglich von tausenden Pilgern – nicht nur Sikhs – besucht.
Von Zeit zu Zeit wird von den Gurdwaras ein Rat über weltliche Angelegenheiten an die Gemeinschaft übermittelt. Dieser Rat (Hukum Nama) hat die bindende Kraft eines Gesetzes.
Es gibt keine Priester; diejenigen, die den täglichen Gottesdienst führen, heißen Granthi.
Die Sänger der Hymnen werden Ragis genannt. Dennoch darf jeder Sikh das Gebet oder den Gottesdienst führen.
Am Ende des Gottesdienstes wird für den Segen Gottes für Frieden, Wohlbefinden und Schutz der ganzen Menschheit gebetet, Ardas genannt.
Anschließend wird Karah Parshad, eine Süßigkeit aus Grieß, Mehl, Zucker und Butter unter der Gemeinde verteilt.

 

Persönliche Anmerkung

Den Goldenen Tempel am frühen Morgen besuchen. Reihen Sie sich ein und lassen Sie sich in das Allerheiligste treiben. Dort sitzen die Männer, die aus dem Heiligen Buch lesen, die die Rubab zupfen, die die Trommel schlagen. Viele Pilger sitzen in den Ecken im ersten Stock und lesen aus Büchern oder hören andächtig zu.
Auch können Sie in die riesige Gemeinschaftsküche gehen; Sie bekommen eine schmackhafte, kostenlose Mahlzeit.
Genießen Sie die besondere Stimmung am Abend. Die monotonen Hymnen aus den Lautsprechern erzeugen eine meditative Wirkung. Einige groß gewachsene, schlanke Sikhs mit ihren Turbanen und Speeren stehen Wache. Der Goldene Tempel im See wird durch die letzten Sonnenstrahlen beleuchtet. Das Bild wird abgerundet durch die vielen Pilger, die den Heiligen See andachtsvoll umrunden. Lassen Sie sich in den Arkaden am Sarovar nieder. Lassen Sie sich auf ein Gespräch mit einem Sikh ein.

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