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Jainismus in Indien

 

Allgemeines

Ungefähr 0,4 % der indischen Bevölkerung (ca. 4,5 Mio.) bekennen sich zum Jainismus. Die Religion ist in Indien beheimatet.
Als Gründer und Verbreiter wird Mahavira (sanskrit für „der große Held“, um 599–527 v. Chr.) angesehen. Er ist der letzte Tirthanka und trägt den Ehrentitel Jina (Sieger). Dadurch bekam die Religion ihren Namen. Die Botschaft war Askese, Enthaltsamkeit und Gewaltlosigkeit.

 

Der Jainismus entstand zur gleichen Zeit wie der Buddhismus und teilt mit diesem den Glauben an den Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara) und der beseelten Welt, wobei für die Jains nicht nur der Mensch, sondern alle Lebewesen – auch Pflanzen – als beseelt gelten.

Die Jains glauben nicht an einen Schöpfergott, sondern allein an das Gesetzt des Karma, sprich, dass jede Tat eine Wirkung zur Folge hat (Ursache-Wirkung-Prinzip).

 

Die Furtbereiter (Tirthankas)

Als Tirthankas (Furtbereiter) werden die geistigen Führer bzw. Propheten der Jains bezeichnet, die als Mittler zwischen der spirituellen und der materiellen Welt fungieren.
Das Kalpa-Sutra verzeichnet das Leben von 24 Tirthankaras und ist eine Heilige Schrift.

Die Jains gliedern sich in zwei Gruppen bzw. Sekten: Die Digambaras („Luftgekleideten“), die vornehmlich in den südlichen Regionen Indiens anzutreffen sind, und den Abbildungen Mahaviras folgend gänzlich auf Kleidung verzichten. Und die eher gemäßigten Shvetambaras („Weißgekleideten“), die mehrheitlich in den nördlichen Bundesstaaten Indies leben.

 

Philosophie

Im Jainismus wird angenommen, dass sich zwei Prinzipien in der Welt gegenüberstehen: Geistiges (Jiva; die Seelen) und Ungeistiges (Ajiva; das Unbeseelte).
Die ursprüngliche Reinheit der Seele (Jiva) wird als Folge des Karma getrübt, denn jede Tat – ob gewollt oder ungewollt – bedingt eine Ursache. Eine Reinigung ist nur durch eine sittliche Lebensweise möglich. Jedoch vermag es nicht jede Seele, sich von allen Verunreinigungen zu befreien und dem Samsara zu entgehen.

 

Ethik

Die drei universellen ethischen Grundprinzipien, auch als die Kleinen Gelübde (Anuvratas) der Laienanhänger bezeichnet, sind

  • Ahimsa (Gewaltlosigkeit bzw. die Nichtverletzung von beseelten Wesen)
  • Aparigraha („Loslassen“ bzw. die Unabhängigkeit von unnötigem Besitz)
  • Satya (Wahrhaftigkeit der eigenen Gedanken, Taten und Handlungen)

Jain-Nonnen und -Mönche nehmen bei ihrer Ordination die folgenden fünf Großen Gelübde (Mahavratas) auf sich:

  • Ahimsa, Aparigraha und Satya
  • Asteya  (nicht zu stehlen)
  • Brahmacharya (Sittsamkeit, Keuschheit)

Die Einhaltung dieser Grundprinzipien verbietet es den Jain bestimmte Berufe wie z.B. in der Landwirtschaft zu ergreifen und hat eine strickt Ernährung (weder Tiere noch Pflanzen dürfen dafür sterben) zur Folge.

 

Pilgerorte

  • Ranakpur (in Rajasthan) ist einer der bedeutendsten und größten Jain-Tempel in ganz Indien.
  • In und um Mount Abu (in Rajasthan) steht eine große Anzahl von herausragenden Tempeln, insbesondere die atemberaubende Gruppe der Dilwara-Tempel.
  • Palitana (in Gujarat) ist die heiligste Pilgerstätte der Jains. Über einen Zeitraum von 900 Jahren (vom 11.Jahrhundert an) wurden mehr als 900 Tempel auf dem Berg Shatrunjaya errichtet. Die „Stadt der Tempel“ erreicht man über mehr als 3800 Stufen und der Haupttempel ist dem ersten Furtbereiter Lord Adinath gewidmet.
  • Der Berg Parasnath (in Jharkhand) mit seinen 24 Tempeln, die die 24 Tirthankaras symbolisieren, ist ebenfalls ein bedeutender Pilgerort. Auf ihm soll Parshavanatha (23. Furtbereiter) der Legende nach sein Nirwana erreicht haben.
  • Ein anderes, sehr wichtiges Heiligtum ist Shravanabelagola (in Karntaka). Im Mittelpunkt der Anlage auf dem Berg Indragiri steht die Statue von Bahubali/Gomateshvara-Statue, die als die größte monolithische Steinstatue der Welt gilt.

 

Persönliche Anmerkung

Die filigran gearbeiteten Steintempel der Jains sind einfach eine Schau. Die wunderbar gearbeiteten Tempel sollten auf keiner Rajasthan-Reise fehlen.
Wenn möglich – unbedingt Palitana im Bundestaat Gujarat besuchen! Wenn man erst einmal die knapp 4.000 Stufen erklommen hat, offenbart sich dem Besucher ein gigantischer Blick über die Tempel-Stadt, der zutiefst berührt.

 

Bitte beachten: Leder-Artikel wie Gürtel oder Schuhe sind in Jain-Tempeln nicht erlaubt, da die Jains davon ausgehen, dass für ihre Herstellung ein Tier sterben musste.

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