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Christentum in Indien und Sri Lanka

 

Allgemeines

Das Christentum ist eine monotheistische Religion, die aus dem Judentum hervorging, und mit ihm das Alte Testament teilt. Es glaubt an einen allmächtigen und bedingungslos liebenden Schöpfergott und hat somit universellen Charakter.

Die Bibel (Altes und Neues Testament) ist das Heilige Buch der Christen, wobei der Glaube an Jesus Christus im Neuen Testament verankert ist. Im Gegensatz zum Judentum sieht das Christentum in dem jüdischen Wanderprediger Jesus von Nazareth den Sohn Gottes und den vom Judentum erwarteten Messias. Gott wird von den meisten Christen als Dreifaltigkeit – eine Wesenseinheit aus Vater, Sohn und dem Heiligen Geist – gesehen.

Zentral ist die Vorstellung, dass Gott in seinem Sohn Mensch wurde. Die Kreuzigung Jesu wird als Erlösung der Menschheit von ihrer Schuld und Sünde verstanden. Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Vergebung sind zentrale Prinzipien der Religion.
Mit der Auferstehung Jesus Christus zu Ostern gründet sich die christliche Gemeinschaft, die Kirche, die zu Pfingsten ihren Missionierungsauftrag durch den Heiligen Geist erhalten hat.

Allerdings entstanden bald unterschiedliche Gruppierungen – politisch, geografisch und durch abweichende Lehrmeinungen bedingt, die sich über ihre Konfessionen einteilen lassen. Heute lassen sich grob vier Hautströmungen festmachen: die römisch-katholische Kirche, die orthodoxen Kirchen, die protestantischen und die anglikanischen Kirchen.

 

Verbreitung in Indien

Mit einem Bevölkerungsanteil von 2,34 % (ca. 28 Mio.) ist das Christentum die drittgrößte Religion in Indien.

Noch bevor das Christentum Europa erreichte, soll es sich mit dem Apostel Thomas 52 n. Chr. an der Malabarküste in Kerala verbreitet haben (sog. Thomaschristen). Erste historische Belege über Kirchengemeinden, die mit den Syrischen Christen in Verbindung standen, stammen allerdings aus dem 6. Jahrhundert.
Bis heute finden sich vor allem im Süden, in den Bundesstatten Kerala, Tamil Nadu und Goa zahlreiche christliche Kirchen und Sekten. Stark vertreten ist das Christentum auch in den Nordoststaaten wie Nagaland, Mizoram und Meghalava.

Die Geschichte des Christentums in Indien ist auch die Geschichte der Missionierung und Abspaltung untereinander. Nachfolgend soll daher nur ein kleiner schlagwortartiger Überblick gegeben werden.
Interessanterweise haben die neu bekehrten Christen in Indien vielfach hinduistische Rituale übernommen und häufig wurde auch das Kastensystem beibehalten obwohl gerade die christliche Lehre von der Gleichheit aller Menschen eine besondere Anziehungskraft auf die niedrigen Kasten ausgeübt hat.

 

Konfessionen

Thomaschristen und Syrische Christen

Als Thomaschristen werden inoffiziell die indischen christlichen Kirchen bezeichnet, die ihre Geschichte auf die Erstmission durch den Apostel Thomas zurückführen, wie die drei altorientalischen Kirchen:

  • Malankara Syrisch-Orthodoxe Kirche
  • autokephale Malankara Orthodox-Syrische Kirche
  • unabhängige Syrische Kirche von Malabar

Römisch-Katholisch

Mit dem Portugiesen Vasco de Gama kam im 16. Jh. die römisch-katholische Kirche nach Indien, die drei Teilkirchen umfasst:

  • römisch-katholische Kirche (lateinisch-westlicher Ritus)
  • unierte Syro-Malabarische Kirche (ostsyrischer Ritus)
  • unierte Syro-Malankara Katholische Kirche (westsyrischer Ritus)

Assyrische Kirche des Ostens

  • Chaldäisch-Syrische Kirche des Ostens
  • Syrische Mar-Thoma-Kirche

Protestantische Kirche

Im 18. Jh. erreichten holländische und dänische Missionare Indien und mit diesen der Protestantismus.
Heutige Ausrichtungen sind:

  • Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Indien
  • Kirche von Südindien
  • Kirche von Nordindien  (Anglikaner, Baptisten, Methodisten, u. a.)

 

Verbreitung auf Sri Lanka

Die viertgrößte Religionsgemeinschaft auf Sri Lanka ist das Christentum. Etwa 7,4 Prozent der Bevölkerung ist christlich, wobei der Großteil katholisch ist.

Die Geschichte des Christentums auf Sri Lanka ist eng verbunden mit der Missionierung während der Kolonialzeit. Mit den Portugiesen (1505-1658) kam der römische Katholizismus, mit den Holländern (1658-1796) das reformierte Christentum, mit den Briten (1796-1948) der angelsächsische Protestantismus (Anglikaner, Methodisten, Baptisten, Kongregationalisten). Nach dem Ende der Kolonialherrschaft sank die Zahl der Christen allerdings wieder rapide ab.

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